Mai 2003 - Trends

05 - 2003

TRENDS Eine Zeitung der JohnsonDiversey

Mai 2003 - PDF Version

Unternehmer des Jahres 2002

In dieser neuen Rubrik möchten wir Ihnen einen Einblick in verschiedene Unternehmen geben und Partner vorstellen, welche sich durch eine besondere Leistung auszeichnen.

Dieses Mal veröffentlichen wir ein Interview mit Markus Oberholzer, Geschäftsführer und Präsident des Verwaltungsrates der First Catering Produktion AG in Bassersdorf, der in der Kategorie «Handel/Dienstleistungen» mit dem Preis «Entrepreneur of the Year 2002» ausgezeichnet wurde. Die fachkundige Jury meinte dazu: «Markus Oberholzer hat bewiesen, dass es möglich ist, dank profunder Marktkenntnis, dem Gespür für Nischen, dem Mut zum Risiko und konsequenter Verfolgung einer Strategie ein blühendes Unternehmen aufzubauen.»

Herr Oberholzer, wie wuchs bei Ihnen der Entscheid, eine «sichere» Karriere bei einem absoluten Branchenleader aufzugeben und stattdessen das Risiko als «kleiner Unternehmer» einzugehen?

Markus Oberholzer (M.O.): In einem Grossunternehmen sind die Strukturen und Vorgaben gegeben, als Mitarbeiter muss man sich anpassen und kann nur zum Teil oder zu wenig eigene Ideen umsetzen. Ich möchte meine Ideen so umsetzen, wie ich es mir vorstelle, und zwar mit allen Konsequenzen. Dazu gehören durchaus auch schlaflose Nächte, allerdings ist genau das auch wieder die Herausforderung.

Was gab Ihnen die Gewissheit, gegenüber den «Grossen» bestehen zu können?

M.O.: Ich hatte gute Marktkenntnisse, habe insbesondere den Markt Zürich genau beobachtet. Ich war überzeugt, dass es Platz bzw. eine «Daseinsberechtigung» gibt. Das Wichtigste war für mich von Anfang an, klar zu kommunizieren, was ich kann und was ich nicht kann - und sich ganz konsequent daran zu halten. Wir sind ein Low-Cost «Nischen-Caterer» ausserhalb des Flughafens Zürich-Kloten und im Bereich Airline Catering, Zulieferung von Verpflegungen sowie Komponenten für Fluggesellschaften, Kabinenbesatzung und Grosscaterer tätig. Mit dieser Definition ist auch klar, dass wir kein Konkurrent anderer Grosscaterer sind, sondern ein Partner - das war ein ganz neuer Weg, der sich bewährt hat.

Können Sie uns etwas sagen über die ersten 3-6 Monate Ihres neuen Unternehmens?

M.O.: Ich habe mit 3 Angestellten und ohne einen Auftrag angefangen - man erhält ja keinen Auftrag, bevor das Unternehmen bereitsteht. Das erste Jahr erforderte einen extremen persönlichen Einsatz, Ferien lagen da nicht drin. Das Ziel war klar definiert: Der Turnaround muss nach 2 Jahren stattfinden, sonst ist das Unternehmen gestorben - er kam dann bereits nach einem Jahr! Heute haben wir einen Umsatz von 24 Millionen und einen Marktanteil von 15-20%. Um das zu erreichen, brauchte es einen eisernen Willen der Überzeugung und manch schlaflose Nacht.

Wie beurteilen sie die Zukunftsperspektiven Ihrer Branche?

M.O.: In Zürich besteht eine Überkapazität von 30-35%. Allerdings ist die First Catering AG vorwiegend im Bereich des Ferienflugverkehrs/Charter tätig. Ich bin überzeugt, dass sich dieses Segment schneller erholen wird. Auch das Luxor Attentat war relativ schnell wieder vergessen. Der Krieg ist praktisch vorbei, die Menschen vergessen schnell und fühlen sich rasch wieder sicherer, ausserdem wird kaum auf Ferien verzichtet. Wenn nicht weitere negative Ereignisse eintreffen, bin ich eigentlich recht zuversichtlich, was den Ferienflugverkehr anbelangt. Bei den Linienflügen sieht es etwas anders aus (SARS usw.)

Was ärgert Sie?

M.O.: Unloyal sein. Wenn man als Unternehmer tätig ist und feststellen muss, dass im Umfeld (z.B. Lieferanten-Kunden-Verhältnis, Verhältnis zu MitarbeiterInnen usw.) Ethik und Moral plötzlich nicht mehr gelebt werden. Gerade in angespannten Situationen ist es umso wichtiger, dass diese Werte trotzdem spielen.

Welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?

M.O.: Wie bereits erwähnt: Ethik und Moral. First Catering hat vor allem Erfolg dank den 179 MitarbeiterInnen, das muss man sich bewusst machen. Man spürt, dass diese Begriffe - wie auch die Wahrnehmung einer sozialen Verpflichtung - bei uns gelebt werden, und verschiedene Beispiele beweisen es. So z.B. die Integration der MitarbeiterInnen der psych. Klinik Embrach, die für uns anfänglich in geschützten Werkstätten in der Klinik Besteck einpackten und die wir direkt in unseren Betrieb holten. Dies einerseits aus ökologischen Gründen - die Transportfahrten konnten ausgeschaltet werden -, andererseits bedeutete dies für diese Personen eine Rückintegration in ein normales Arbeitsumfeld. Für unsere eigenen MitarbeiterInnen ist dies im Übrigen eine Bereicherung. Eine anfängliche Skepsis legte sich schnell. Inzwischen hat man gemeinsame Kontakte und viele interessante und lustige Gespräche.

Können Sie uns als Lieferpartner Ihres Unternehmens einen Tipp geben, wie wir besser werden können?

M.O.: Die Kommunikation! Ich erachte es als äusserst wichtig, gut informiert zu sein, und möchte umgehend wissen, wenn neue interessante Projekte eingeführt werden, die in unserem Unternehmen zum Erfolg beitragen können.