Sommer 2005 - SUNFLYER

05 - 2005

SUNFLYER - Das Magazin der Edelweiss Air

Sommer 2005 - PDF Version

Gourmet mit Grips

Markus Oberholzer ist beides: Feinschmecker und ein guter Geschäftsmann. Mit seiner Firma First Catering sorgt er an Bord der Edelweiss Air für das leibliche Wohl der Gäste. Doch sein Engagement geht noch viel weiter.

LE CHEF

Die orange leuchtenden Mandarinenschnitze kontrastieren erfrischend mit den zartrosafarbenen Entenbrust-Scheiben, die auf saftig-grüne Salatblätter gebettet sind. Eine Scheibe Lachs, ein Tupfer Meerrettich, ein Schnitz frischer Lauch und ein Dill-Zweig runden das bunte Bouquet ab, das auch einem verwöhnten Schlemmermaul an Bord der Edelweiss Air eine wahre Gaumenfreude ist. Die kulinarische Kreation stammt aus der Küche von Markus Oberholzer. Der 48-jährige Zürcher Unternehmer ist nicht etwa Inhaber eines edlen Feinschmecker-Tempels, sondern führt einen hochmodernen Catering-Betrieb, der sich auf die hohen Anforderungen der Verpflegung an Bord von Verkehrsflugzeugen spezialisiert hat. «Essen schmeckt über den Wolken anders als in der Beiz», weiss Oberholzer, der eine Kochlehre absolviert hat. «An Bord eines Flugzeugs ist die Luft trockener, wodurch sich das Geschmacksempfinden verändert. Darum komponieren wir die Mahlzeiten für die Passagiere auf ganz spezielle Art, damit das Essen an Bord einen optimalen Geschmack entfalten kann."

Oberholzer legt Wert auf Details. Als diplomierter Hotelier/Restaurateur SHV/VHD, der im Management verschiedener Luxushotels arbeitete, versteht er das Handwerk des perfekten Gastgebers. Doch der eigentliche Grund, warum er sich vor 10 Jahren selbständig machte, um mit seiner Firma First Catering neue Qualitätsstandards im bis dahin von der Swissair-Tochter Gate Gourmet quasi monopolistisch verwalteten Business Schweizerischer Bordverpflegung zu setzen, war: Oberholzer will etwas in der Welt bewegen. Es genügt ihm nicht, die Salatblättli perfekt zu drapieren oder auch mit den bescheidenen Mitteln einer Bordküche das Steak a point und die Rösti knusprig servieren zu können. Ihm kommt es vielmehr auf innovative Ideen, auf die Motivation der Mitarbeitenden und auf die Optimierung von Produktionsabläufen an. Und er ist bereit, mit Herzblut dafür einzutreten: Statt auf dem teuren Flughafengelände positionierte er seinen Betrieb im wesentlich günstigeren Industriegebiet in Bassersdorf. Bis seine Lastwagen aber die Erlaubnis hatten, direkt aufs Rollfeld zu den Flugzeugen zu fahren, musste er einen harten Kampf mit den Behörden ausfechten und sogar mit dem Gang vors Bundesgericht drohen. «Man kann sich entweder den grossen Firmensystemen anpassen oder versuchen, seine Ideen ausserhalb, in einer eigenen Firma selbst umzusetzen», ist sein unternehmerisches Credo. Und ein «Anpässler» ist er beileibe nicht. Auch nicht wenn es darum geht, behinderte und beeinträchtigte Menschen in den Produktionsablauf seines Betriebs zu integrieren: Seit 2001 bietet Markus Oberholzer 40 Menschen aus der Psychiatrischen Klinik Embrach Stellen als Besteck-Verpacker an. Mit grossem Erfolg: Letztes Jahr bearbeiteten sie 1,75 Millionen Gedecke zur vollsten Zufriedenheit des Unternehmens -und der Passagiere an Bord der Flugzeuge. "Wir hatten dabei genau zwei Reklamationen», sagt Oberholzer stolz. Doch nicht daran misst er den Erfolg. Vielmehr freut ihn die Tatsache, dass die Behinderten in seinem Betrieb gelernt haben, Verantwortung zu übernehmen, sich gemeinsam mit den anderen Kolleginnen und Kollegen einem normalen, nach wirtschaftlichen Kriterien gestalteten Arbeitsalltag zu stellen und dabei noch mehr zu verdienen als vorher in den integrierten Werkstätten der Klinik. Oberholzer - auch bei diesem Projekt wieder ganz der Pionier - hat dazu nebenbei auch einem ehemaligen Betreuer aus der Psychiatrischen Klinik Embrach zur Selbständigkeit verholfen: Hansjörg Notz koordiniert mit seiner Einzelfirma Notz Produktionen die Arbeit und die Betreuung der behinderten Mitarbeitenden von First Catering. «Ich will zeigen, dass es möglich ist, in unserem Land etwas zu bewegen», sagt Markus Oberholzer. «Manchmal muss man dabei unkonventionelle Wege gehen.» Der Erfolg gibt ihm Recht: Seit dem zweiten Betriebsjahr schreibt er mit First Catering schwarze Zahlen. Und er denkt weiter ans Expandieren. Zum Beispiel in Afrika, wo er in Ghana einen Ananas-Importbetrieb aufbaute. Aber das ist eine andere Geschichte.