26. März 2006 - Sonntags Blick

03 - 2006

Sonntags Blick

26. März 2005 - PDF Version

IV-Debatte: Wir lassen uns nicht behindern

VORZEIGEMODELL Sollen Firmen dazu verpflichtet werden, eine bestimmte Anzahl Behinderte zu beschäftigen, um die IV zu entlasten? Nein, sagte das Parlament diese Woche. Dass es auch ohne Vorschriften geht, zeigt ein Musterbeispiel aus Bassersdorf ZH.

Franz Glinz

Die Bündnerin Monika Berginz (54) arbeitete 20 Jahre lang als Chefsekretärin bei den Winterthur Versicherungen. Jetzt ist sie dafür verantwortlich, dass Millionen Flugpassagiere blitzsauberes Besteck auf ihrem Essplättchen haben. Helmut Guse (63), während 30 Jahren Barkeeper in besten Hotels der Schweiz, sorgt jetzt dafür, dass Airline-Passagiere saubere Kissen haben.

Berginz wie Guse sind psychisch handicapiert, aber in die Wirtschaftswelt integriert. Sie arbeiten für die First Catering in Bassersdorf, die Airlines wie South African, Edelweiss, Belair, Helvetic oder Hello bedient. Letzten Februar wurde die First Catering mit dem neu gegründeten This-Priis einer Winterthurer Arztfamilie ausgezeichnet. Ihn bekommen Firmen, die Handicapierte beschäftigen.

Bloss zwei Reklamationen in zwei Jahren

Eine Quotenregelung lehnt der ausgezeichnete Betrieb ab. «Solcher Zwang ist Unsinn», sagt Markus Oberholzer, Chef der First Catering; «das muss ohne Quotenbürokratie gehen.» Oberholzer beschäftigt in seinem Betrieb stolze 17 Prozent Behinderte und psychisch eingeschränkte Menschen, 40 von 240 Mitarbeitenden. Diese vierzig erarbeiten sich so einen Zusatzverdienst zu ihrer IV-Rente. Vier der psychisch handicapierten First Catering Mitarbeiter erholten sich in den vergangenen zwei Jahren so, dass Oberholzer sie bei der IV abmelden und fest mit vollem Lohn anstellen konnte.

Chef Oberholzer ist voll des Lobes: «Rund 1,8 Millionen Besteck- und Essenssets liefern wir pro Jahr an die Airlines. Innert zwei Jahren hatten wir nur zwei Reklamationen. Einmal fehlten Salz und Pfeffer, einmal war eine Gabel nicht sauber.» Seine Leute seien höchst zuverlässig. «Sie wissen, dass sie eine wichtige Arbeit erledigen und entwickeln so neues Selbstvertrauen», sagt Oberholzer.

Bei Einzelnen konnte sogar der Konsum von Medikamenten stark reduziert werden.