2007/11 Blickpunkt

11 - 2007

Blickpunkt

November 2007 - PDF Version

«This-Priis»-Gewinner First Catering Produktion AG beschäftigt behinderte Menschen

Einstempeln statt abstempeln

Ihr Beschäftigungsmodell für behinderte Menschen hat der First Catering AG im Jahr 2006 den «This-Priis» eingebracht. Gestern hat sie Vertretern anderer KMD einen Einblick in den Betrieb gegeben.

Beatrix Bächtold

Markus Oberholzer hält die Tür zur Hygienezone auf. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der First Catering Produktion AG und lässt mehrere Arbeitgeber aus dem Wirtschafts raum Zürich hindurchschreiten: Für einmal haben sie ihre Aktenkoffer gegen Plastikhygienemantel und Haarnetz getauscht und wertvolle·Stunden in ihren Terminkalendern reserviert für eine Besichtigung zum Thema «Integration von Handikapierten in die Arbeitswelt».

Rund 500 Einladungen hat der Verein «This-Priis» für diesen Anlass im Vorfeld versandt. Nur elf KMU-Unternehmer sind gekommen, um sich einen Einblick darüber geben zu lassen, wie Menschen mit einem Handikap oder einer Behinderung in den normalen Arbeitsprozess integriert werden können. «Wenn aber wir pro Anlass auch nur einen Unternehmer dazu motivieren können, einen Arbeitsplatz für eine handikapierte Person zu schaffen, haben wir unser Ziel erreicht», sagt Martin Widmer. Er ist der Initiant des Projektes «Arbeit und Handikap».

Eigenverantwortung macht Freude

Die Gruppe hört aufmerksam zu, als Oberholzer von den Erfahrungen, in seinem Betrieb erzählt: «Einmal blühte eine psychisch kranke Mitarbeiterin hier auf, wie eine Sonnenblume. Sie hatte so viel Freude an ihrer Aufgabe, dass sie am liebsten sieben Tage pro Woche gearbeitet hätte.» Ausnahmslos alle behinderten Mitarbeiter kommen gerne zur Arbeit. Alle kommen sie selbständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bassersdorf. Sie arbeiten zur vollsten Zufriedenheit nach wirtschaftlichen Kriterien und haben so beispielsweise die Möglichkeit, ausserhalb der psychiatrischen Klinik in Eigenverantwortung einem geregelten Arbeitsalltag nachzugehen. «In den letzten zwei Jahren. konnten drei Mitarbeiter

aus dem Team ausgelöst und mit einem normalen Arbeitsvertrag eingestellt werden.»

Es duftet nach Roastbeef und Essiggürkchen, die bald einmal eine Reise im Flugzeug antreten werden. Das Klappern der Bestecke lst zu hören. Tageslicht durchflutet den Raum. Esther Windler konzentriert sich auf ihre Ar­beit. Vom grossen Aufmarsch der KMU Damen und Herren lässt sie sich nicht ablenken. Ruhig legt sie Messer, Gabel und Löffel auf eine Serviette, rollt sie zusammen, steckt Zahnstocher, Pfeffer und Salztütchen hinein. Sie lächelt den Besuchern zu. Von Eile keine Spur. Es ist Qualität, die hier generiert wird. Von Hand gemacht. Eben echte Wertarbeit bis ins Detail.

Am Hauptsitz der First Catering Produktion AG.in BassersdorLhat Markus Oberholzer mit seinem Shop.in-Shop Konzept Arbeit für 40 geistig behinderte Menschen geschaffen. Innerhalb der eingegliederten Notz Produktionen werden unter anderem Bestecksets für Fluggesellschaften zusammengestellt. «Von den 1,7 Millionen gelieferten Sets, die wir jährlich liefern, gaben nur zwei Anlass zu Reklamationen», erklärt Oberholzer. Eine unglaubliche Trefferquote, wenn man wisse, dass die weltweite Fehlerquote bei dieser Art von Aufträgen bei 10 Prozent liege. «Wir erreichen diese Präzision durch den Einsatz von handikapierten Mitarbeitern. Sie sind hoch motiviert und nehmen ihre Arbeit ernst. Diese Qualität und Kontinuität wäre mit sogenannten normalen Mitarbeitern nicht zu erreichen.»

Erfolgsmodell für alle

Die First Catering Produktion hat für ihr Beschäftigungsmodell den «This-Priis 2006» gewonnen. Mit dem PreisgeId wurde eine Stiftung gegründet, die den handikapierten Mitarbeitern im Falle einer aussergewöhnlichen Situation finanziell unter die Arme greift. Ausserdem bekommt jeder zum Geburtstag 100 Franken geschenkt. «Es gibt bereits viele Betriebe, die Handikapierte beschäftigen, ohne es an die grosse Glocke zuhängen», sagt Oberholzer. «Es fällt aber auf, dass es sich dabei meist um innovative Firmen mit guten Ideen handelt».