2008/01 Landbote

01 - 2008

Landbote

Januar 2008 - PDF Version

Behinderung ist kein Hindernis

Zwei Unternehmer aus Russikon sind gestern mit dem «This­Priis» ausgezeichnet worden. Er ist die Belohnung dafür, dass sie seit Jahren handicapierte Mitarbeiter beschäftigen.

RUSSIKON - «Das ist doch eine geniale Atmosphäre», freut sich Helmut Waffenschmidt und hastet sogleich weiter, hin und her zwischen weissgedeckten Tischen, Buffet und Pflanzen in seinem Gartengeschäft in Russikon. Die grosse Verkaufshalle ist geschmückt, Lichterketten und Blumen verbreiten festliche Stimmung. Anlass der Euphorie ist die Verleihung des «This­Priis»: Eine Jury zeichnet jährlich Firmen aus, die in ihrem Betrieb handicapierte Mitarbeiter beschäftigen. 25000 Franken beträgt das Preisgeld, das dieses Jahr auf drei prämierte Firmen aufgeteilt wird (siehe Kasten).

In Helmut Waffenschmidts Gärtnereibetrieben arbeiten seit 28 Jahfen Menschen mit Behinderung. Für dieses lange Engagement erhält er den grössten Teil des Preisgeldes, nämlich 15000 Franken. «Angefangen hat es mit einer Mitarbeiterin im Rollstuhl», sagt er. Heute haben von 30 Angestellten vier eine Behinderung. «Inzwischen ist das für uns zur absoluten Normalität geworden.»

Es sei genau diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit Handicapierten, die man habe auszeichnen wollen, sagt Martin Widmer, Präsident des Vereins «This-Priis». Innerhalb der letzten zwei Jahre sind acht Unternehmen mit dem This-Priis geehrt worden. «Alle diese Betriebe waren sehr innovativ, haben mit ihren Anstellungsverhältnissen neue Wege beschritten.» Dies treffe auch auf die beiden Zweitplatzierten zu, die Russiker Schreinerei Maag und Takacs und die Zürcher «R+B engineering AG». Sie haben je 5000 Franken erhalten.

Bereicherung fürs Team

Allerdings sind solche Anstellungen nicht ganz einfach hinzukriegen, darin sind sich alle drei Geschäftsführer einig. Gerade die Zusammenarbeit mit der IV sei oft schwierig gewesen, da diese den betroffenen Mitarbeitern zu wenig zugetraut habe. «Man muss es einfach ausprobieren, um zu sehen, ob es klappt», sagt Otto Takacs. Er selber hat mit seinen beiden handicapierten Angestellten sehr gute Erfahrungen gemacht. «Sie sind sehr zuverlässig und für das Team eine grosse Bereicherung.» Verglichen mit gesunden Mitarbeitern, bräuchten sie einfach etwas mehr Betreuung.

«Die grosse Kunst ist es, ein Päckchen zu schnüren, das für den Arbeitgeber, den Mitarbeiter und die IV stimmt», sagt Vereinspräsident Martin Widmer. So wie im Fall von Sdnja Wyss, die für Helmut Waffenschmidt arbeitet. Mit 16 Jahren ist sie von einer Leiter gestürzt und seither querschnittsgelähmt. Heute arbeitet sie 50 Prolzent am Empfang und in der Kundenberatung in der Gärtnerei. «So muss ich nur einen Teil der IV-Rente beanspruchen.» Im Team sei sie völlig integriert, «so wie ich bin» ....

«Wir hatten dieses Jahr so viele Nominationen für den Preis wie noch nie», sagt MartinWidmer, Präsident des Vereins «This-Priis». Das zeige, dass das Interesse der Öffentlichkeit steige. Und damit sei hoffentlich auch das Ziel erreichbar, durch eindrückliche Beispiele andere Unternehmen zu motivieren. «Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber es ist ein Tropfen, der dampft.»

ANNA WEPFER

Der «This- Priis»

Ins Leben gerufen haben den «This-Priis» vor knapp drei Jahren Martin und Lienhard Widmer. Deren Bruder Matthias, oder eben «This», ist cerebral behindert. Trotzdem wollte er nicht in einer geschützten Werkstatt~ arbeiten. Nach langer Suche haben die Brüder in der Mensa eines Gymnasi­ums eine Stelle für ihn gefunden. Mit dem Erbe ihres Vaters finanzieren sie nun den «This-Priis». Anmelden kann sich jedes KMU im Grossraum Zürich. Voraussetzung ist aber, dass das Unternehmen nicht staatlich subventioniert ist. Nominationen für die nächste Verleihung können bis 1. Oktober 2008 eingereicht werden. Infos un­ter: www.this-priis.ch. (awe)