April 2005 - CASH: Interview mit Markus Oberholzer

04 - 2005

Cash 2005

21. April 2005 - PDF Version

«Essen und Trinken sind sehr zentral»

Airline-Food: Wie sich Markus Oberholzer gegen Platzhirsche am Zürcher Flughafen durchsetzte.

Grosse Catering-Konzerne sind in Turbulenzen. Markus Oberholzer ist mit seiner First Catering Produktion AG auf einem sicheren Pfad: Ihm gefällt seine Nische - Umsatzbolzen ist nicht seine Sache.

Markus Oberholzer, 48, Chef und Besitzer der First Catering Produktion AG in Bassersdorf ZH, ist eigentlich ein cooler, eloquenter Mann. Doch wenn er über seine Branche redet, ist es mit der Ruhe dahin: «So eine schlimme Zeit habe ich noch nie erlebt.» Früher habe man mit der Konkurrenz noch über Aufträge geredet und sie untereinander aufgeteilt. Heute sei dies anders. Unter dem Motto «Wir holen, was zu holen ist» versuchten die grosse Airline- Catering-Konzerne mit Preisdumping neue Kunden an sich zu binden, sagt Oberholzer. Ihm gehe es aber gut, er schreibe seit dem zweiten Betriebsjahr schwarze Zahlen.

Trotzdem ist ihm mulmig zu Mute: An der Misere seien die Airlines schuld, die unter Kostendruck stünden und von den Airline-Caterern stets noch günstigere Preise für die Mahlzeiten verlangten. Und das finanzielle Risiko, wenn die Verpflegung vom Kiosk verkauft werde, sollten sie auch noch tragen. In der Tat: Die Nummer 1 der Branche, die Lufthansa- Tochter LSG Sky Chefs, kämpft mit Problemen und restrukturiert seit zwei Jahren. Die ehemalige Swissair-Perle Gate Gourmet, die heute als Nummer 2 der Investorengruppe Texas Pacific gehört, kämpft wegen hoher Verschuldung ums Überleben. Beide Konzerne setzen Milliarden um.

In diesem Umfeld ist die First Catering mit knapp 27 Millionen Franken eine kleine Nummer. Sie betreut weltweit bekannte Fluglinien wie Emirates, KLM oder Easy Jet, aber auch Ferienflieger wie Edelweiss, Belair oder Hello und die Günstig-Airline Helvetic Airways. Im Gründungsjahr 1995 machte Oberholzer mit 27 Mitarbeitenden einen Umsatz von 1,8 Millionen Franken, im Jahr 2004 waren es mit 190 Mitarbeitenden bereits 26,9 Millionen Franken. Sein Erfolgsgeheimnis ist, dass er sich stets als Nischenanbieter definiert hat. Die Grösse des Betriebs passte Oberholzer stets ans laufende Geschäft an. 1995 startete er seine Firma auf einer Fläche von nur 800 Quadratmetern, und dann mietete er stets neue Flächen dazu. «Unsere Infrastruktur lässt noch ein Umsatzwachstum von rund 10 bis 15 Prozent zu», sagt Oberholzer. «Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern Vorteile als Nischenanbieter dank unseren Qualitätsstandards weiter ausnutzen.» Offenbar macht er seine Sache gut. Markus Gander, Inflight-Chef bei der Charterlinie Edelweiss von Kuoni, lobt: «Eigentlich möchten wir First Catering nur für uns haben.» Die Qualität sei gut, und bei Expresswünschen sei der flexible Kleinbetrieb unschlagbar.

Seit fünf Jahren ist er bereits in Westafrika tätig.

«Essen und Trinken sind sehr zentral und höchst emotional an Bord eines Flugzeuges. Eine Airline kann sich damit von einer anderen differenzieren», betont Oberholzer. «Die Passagiere wollen die Zeit bis zur Landung möglichst angenehm verbringen.» Darum gebe es Airlines, die in diesem Bereich «aufrüsteten». Er findet es falsch, keine im Preis inbegriffenen Mahlzeiten anzubieten: «Insgesamt ist das Einsparpotenzial klein, die Inflight- Produkte (Essen, Trinken, Film u. a.) machen nur etwa fünf Prozent des Umsatzes einer Airline aus.»

Die Fluktuation unter den Mitarbeitenden, die am Erfolg partizipieren, ist klein. Alle verdienen über 3000 Franken im Monat. Oberholzer bietet zudem seit 2001 vierzig Arbeitsplätze für Behinderte, welche die Bestecksets füllen.

Hat seine Ideen in der eigenen Firma umgesetzt: Airline-Caterer Markus Oberholzer.

Seit fünf Jahren ist er auch in Westafrika tätig. Er hat dort ursprünglich einen Ananas-Import- Betrieb in Ghana aufgebaut, den er in einen Catering-Betrieb umwandelte. Dazu kamen zwei nigerianische Ableger in Abuca und Laos, welche die meisten internationalen und afrikanischen Airlines in dieser Gegend betreuen.

Das sind zwar Risikomärkte, aber kein Problem für Oberholzer: «Angst um Geld habe ich nie gehabt.» Und die Konkurrenz der Grosskonzerne macht dem Rotary-Club-Mitglied keine Angst: Der Hobby-Marathonläufer hat eine grosse Ausdauer.